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08. September 2017

Update: COPD-Behandlung - Physiotherapie von Patienten mit der chronischen Lungenkrankheit

Update: COPD-Behandlung - Physiotherapie von Patienten mit der chronischen Lungenkrankheit
Lina Wirtz / Foto: privat

Die Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD) ist eine chronische Lungenerkrankung mit Verengung der Atemwege. Physiotherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung von COPD-Patienten. Je nach Ausprägung und Stadium der Erkrankung stehen die Sekretolyse, das Verbessern der Ventilation, die Thorax- und allgemeine Mobilisation im Vordergrund der Therapie.

Zur COPD gehören zwei Krankheitsbilder, die chronische Bronchitis und das Lungenemphysem. Die Obstruktion der Atemwege und der Lufträume vermindert die Ventilation. Die Lunge als zentrales, lebenswichtiges Organ leidet, Perfusion und Diffusion sind beeinträchtigt. Die Betroffenen suchen den Arzt in der Regel zuerst wegen Atembeschwerden auf. Sie leiden unter Husten mit und ohne Auswurf, Dyspnoe, haben Rasselgeräusche beim Atmen oder Giemen (verlängerte Exspiration) und eine pulmonale Kachexie.

Die Physiotherapie mit COPD-Patienten ist anspruchsvoll und komplex. Sie richtet sich nach den individuellen Symptomen des Patienten, dem Stadium und den Symptomen der Folgeerkrankungen.

Ziel der Physiotherapie ist immer die Exazerbationsprävention. Exazerbationen sind als gesundheitliche Verschlechterungen bei chronischen Lungenkrankheiten wie Asthma und COPD definiert.

Behutsamer Therapieeinstieg

Passive Techniken helfen, eine Beziehung zum Patienten aufzubauen und ermöglichen einen behutsamen Einstieg in die Therapie. Der Patient soll nicht in Atemnot kommen, das würde die Compliance negativ beeinträchtigen. Mittels Kontaktatmung und bewusster Atemlenkung lässt sich die Ventilation erleichtern. Idealerweise werden diese Maßnahmen in atemerleichternden Ausgangsstellungen ausgeführt.

Generell gibt es zur Ventilationsförderung keinen Gold-Standard, jedoch werden die IMT-Threshold®-Methode und Targeted Inspiratory Resistive (TIR) zur Verbesserung der Kraft der Einatemmuskeln empfohlen (vgl. Kolster et al., 2017).

Husten erleichtern

Für das Lösen von Sekreten und für die Hustenclearance bieten sich aktive Techniken wie der Einsatz von Lauten (Zisch-, Brumm-, Verschlusslaute) und forcierte Exspirationstechniken an. Der Patient hustet zunächst „normal“. Danach wird mit dem sogenannten Huffing begonnen, dem Hauchen mit offener Glottis (Gaskell u. Webber 1997).

Es gibt unterschiedliche Versionen: Huffing intermittence, das intermittierende Hauchen; Huffing fortis, kräftiges Hauchen mit teilweise geschlossener Glottis; Huffing fortis intermittence, kräftiges, intermittierendes Hauchen. Huffing ist bei bestehender Herz-Kreislauf-Instabilität kontraindiziert (vgl. van Gestel; Techler, 2014).

Husten und Huffing können manuell vom Therapeuten unterstützt werden. Unterstützend wirken auch Klopfungen, Klatschungen oder der Einsatz eines Vibrax-Gerätes.

Cave: Die Vibraxbehandlung bei Asthmatikern nicht mit eukalyptushaltigen Cremes kombinieren! Der intensive Inhaltsstoff kann einen Asthmaanfall auslösen. Bei den Klatschungen und Klopfungen sollte eine Osteoporose ausgeschlossen sein.

Atemhilfsmuskeln entspannen Patienten mit Atemwegserkrankungen weisen häufig durch den massiven Muskeleinsatz zur Atemunterstützung einen erhöhten Muskeltonus auf. Das Gewebe ist insgesamt hyperton und der Thorax sehr unbeweglich. Zur Detonisierung hypertoner Muskeln kann die post-isometrische Relaxation angewandt werden. Globaler wirken Dehnlagerungen. Sie sind auch als Ausgangsstellungen für viele therapeutische Interventionen empfehlenswert, z. B. für die Atemlenkung und die Sekretlösung. Beispiele sind die Mondsichellagerung oder die Drehdehnlagerung. 

Thorax mobilisieren

Hohe Gewebswiderstände tragen zu Einschränkungen der Atembewegungen und der Thoraxbeweglichkeit bei. Hänge- und Packegriffe, das Ausstreichen der Interkostalräume und Hautrollungen sind geeignete passive Maßnahmen, die der Patient teilweise auch selbst lernen kann, um das Gewebe zu lockern. Wieder bietet es sich an, die Techniken in Dehnlagerungen anzuwenden.

Beweglichkeitstraining ist wichtig. Ruderbewegungen mit einem Stab in sitzender Ausgangsstellung sind ein gutes Beispiel. Einfache Bewegungen wirken sich mobilisierend auf die Wirbelsäule, den Brustkorb und den Schultergürtel aus.

Passive Dehnzüge und aktive Dehnschübe in Dehnlagerungen initiieren eine vertiefte Einatmung bis in den abdominellen Bereich. Viele Asanas aus dem Yoga eignen sich ebenfalls zum Mobilisieren. Sie beeinflussen die Atemrichtung und -tiefe. Prinzipiell gilt: Pressatmung muss vermieden werden. In fortgeschrittenem Krankheitsstadium ist oft keine körperliche Anstrengung mehr möglich.

Kutiviszerale Reflexe nutzen

Bindegewebsmassage und die reflektorische Atemtherapie bieten sich bei Patienten mit COPD ebenfalls an. Über den kutiviszeralen Reflexbogen kann das Atemsystem vegetativ beeinflusst werden. Thermische Reize wie eine Heiße Rolle oder heiße Kompressen, beispielsweise im Bereich der BGM- oder Head-Zonen, wirken komplementär.

Die Patienten atmen meist hochthorakal. Darunter leidet die Darmperistaltik, die auf vertiefte Atemzüge angewiesen ist. Die Folge sind Verdauungsbeschwerden. Diese können ebenso mittels einer angepassten Strichführung aus der reflektorischen Atemtherapie, Bindegewebsmassage und in weniger reizender Form mit der Colonmassage nach Vogler behandelt werden.

Atemtherapiegeräte sinnvoll einsetzen

Die Auswahl der unterstützenden Atemtherapiegeräte ist mit der ansteigenden Zahl der Patienten gewachsen. SMI-Trainer werden zur Inspirationsverbesserung eingesetzt. SMI steht für Sustained Maximal Inspiration. PEP-Trainer zur Exspirationsverbesserung. PEP steht für Positive Expiratory Pressure. Die Geräte sollten nicht als alleinstehende Maßnahme zum Einsatz kommen, sondern als sinnvolle Zusatzmaßnahme.

Unsere Dozentin

Lina Wirtz ist Lehrerin an der Physiotherapieschule des Franziska Schervier Schul- und Bildungszentrums in Stolberg (Rhld.) für die Bereiche Pneumologie, Kardiologie, Gastroenterologie, Neurologie, Trainingslehre, Prävention und Rehabilitation, Psychologie/Pädagogik/Soziologie.


Zugehörige Dateien:

s16-copd-update.pdf
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