Mittwoch, 20. September 2017

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06. September 2017

Stockende Vergütungsverhandlungen für physiotherapeutische Leistungen bei gleichzeitiger Verdopplung der Krankenkassen-Überschüsse

Stockende Vergütungsverhandlungen für physiotherapeutische Leistungen bei gleichzeitiger Verdopplung der Krankenkassen-Überschüsse

Das Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz HHVG eröffnet endlich Möglichkeiten zur längst überfälligen Vergütungsanpassung, doch viele Krankenkassen mauern trotz steigender Überschüsse.

Die deutsche Wirtschaft boomt weiterhin - die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen steigen und die Ausgaben entwickeln sich schwächer als prognostiziert. Und das zeigt sich auch an den Überschüssen der Krankenkassen. Während das BMG für das erste Quartal 2017 noch einen Überschuss von 612 Millionen Euro meldete, sollen die Einnahmen der 113 Krankenkassen die Ausgaben zur Jahresmitte bereits um 1,4 Milliarden Euro übertroffen haben. Und der Trend hält an, auch bei den kleineren Kassenarten.

Aber inwieweit wirken sich diese milliardenschweren Überschüsse auf die verheerende Vergütungssituation der therapeutischen Berufe aus, um dem dramatischen Fachkräftemangel und den Nachwuchssorgen Einhalt zu gebieten? Denn das HHVG bietet mit der, wenn auch vorerst nur temporären, Abkoppelung der Grundlohnsummenbindung endlich die Möglichkeit, nennenswerte Fortschritte in den Vergütungsverhandlungen mit den Krankenkassen zu erzielen.

Einige Kassen haben die Notwendigkeit sowie den politischen Willen im HHVG durchaus erkannt und sind in einen konstruktiven Verhandlungsdialog mit den Heilmittelerbringern eingetreten. Doch andere Krankenkassen, wie z.B. zwei Kassen aus Sachsen-Anhalt, die AOK und IKK gesund plus, oder die AOK Bayern waren bisher nicht bereit, über die gesetzlich verankerten Vereinbarungen des VSG mit der Gewährung der Preisuntergrenzen (PUG) als Mindestanhebung hinauszugehen. Dies ist und blieb für den VPT auch nach mehreren Verhandlungsrunden inakzeptabel. Beide Krankenkassen in Sachsen-Anhalt haben daraufhin den physiotherapeutischen Praxen den Abschluss von Einzelverträgen mit einer Preiserhöhung von 6,3 bzw. 6,5% als Folge der PUG-Regelung, welche den Therapeuten nach dem GKV-VSG gesetzlich zusteht, angeboten. Alle SHV-Mitgliedsverbände haben ihre Mitgliedspraxen zur Einigkeit gegen die Unterzeichnung solcher Einzelverträge aufgerufen. Besonders die AOK Sachsen-Anhalt gehört bundesweit seit Jahren zu den Kassen mit den geringsten Vergütungssätzen in der Physiotherapie.

Natürlich mussten die Krankenkassen auch einen absoluten Ausgabenzuwachs verzeichnen. Im Gesamtjahr 2016 lag er noch bei 4,2%. Im ersten Quartal 2017 waren es nur noch 3,9% bei steigenden Versichertenzahlen. Laut Bundesärztekammer bunkert die GKV satte 16,7 Milliarden Euro als Reserve. Ein finanzielles Polster, das die gesetzlichen Krankenkassen noch immer nicht dazu bewegt, der schon jetzt teilweise vorherrschenden Unterversorgung der Patienten entgegenzuwirken. Die physiotherapeutischen Berufe stellen längst keine attraktive Perspektive für junge Menschen mehr dar, weil niemand von den Gehältern leben kann. Hier wird klar ersichtlich: es reicht nicht, den politischen Willen in ein Gesetz zu verpacken und auf die Einsicht aller Verhandlungspartner zu hoffen. Und damit bleibt den Heilmittelverbänden nur der aufwändige Weg über die Schiedsverfahren, um den Berufsstand zu bewahren und damit die gesundheitliche Versorgung langfristig aufrecht zu erhalten.

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