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16. November 2018

Gesundheitsminister Laumann ermutigt Gesundheitsfachberufe, sich gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen einzusetzen

Gesundheitsminister Laumann ermutigt Gesundheitsfachberufe, sich gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen einzusetzen

„Es ist wirklich wichtig, dass Sie sich als Verbände der Gesundheitsfachberufe zusammenschließen, gemeinsame Positionen entwickeln und für bessere Rahmenbedingungen einsetzen. Die Situation in ihren Berufen ist nicht in Ordnung. Dabei will ich Sie gerne tatkräftig unterstützen. Kommen Sie mit Ihren Anliegen auf unser Ministerium zu, bei uns treffen Sie auf offene Ohren“, mit diesen Worten eröffnete Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann den Dialog beim ersten gemeinsamen Parlamentarischen Abend am 13.11. von sechs Verbänden der Gesundheitsfachberufe. Diese vertreten die Interessen der Physio- und Ergotherapeuten, der Logopäden und deren Ausbildungsstätten. „Haben die Gesundheitsfachberufe Physio-Ergo-Logo in NRW eine Chance“, darüber diskutierten fast 60 Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung, Verantwortliche von Verbänden und Gesundheitsschulen sowie Lehrkräfte und Schüler.

Schulgeldfreiheit in den Gesundheitsfachberufen

Der Gesundheitsminister verwies darauf, dass NRW seit dem 1. September als erstes Bundesland 70 % der Schulkosten übernimmt und damit eine Vorreiterrolle in Deutschland hat.  
 
Dieser Zuschuss muss nach derzeitigem Stand von den Schulen vorfinanziert werden, was viele Schulen in wirtschaftliche Schieflagen bringt. „Das Problem ist bei mir bereits angekommen. Darum habe ich meine Fachleute gebeten, nach einer unbürokratischen Lösung zu suchen. Die Entlastung, die wir mit unserer Landesförderung schaffen, soll sich natürlich nicht negativ für die Schulen auswirken oder neue andere Belastungen verursachen“, sicherte der Gesundheitsminister zu. Die 70% seien ein Einstieg in die Schulgeldfreiheit. Hier setzt der Landesminister auf das Bundesgesundheitsministerium, das über den Koalitionsvertrag den Auftrag hat, die Schulgeldfreiheit umzusetzen. Daran werden die Bundesregierung und die Bundesländer gemeinsam arbeiten. „Bei der Umsetzung müssen wir auch weitere Verbesserungen mitdenken, die die Ausbildung in den therapeutischen Berufen attraktiver macht, zum Beispiel Ausbildungsvergütungen.“
 
Rechtsanwältin Magdalena Schäfer, die einen Impulsvortrag über Schulkosten hielt, lobte die anteilige Übernahme der Schulgelder ausdrücklich, kritisierte aber, dass die rechtliche Grundlage der Schulgeldfreiheit auf die Haushaltslage des Landes abstelle. Wenn die „Fördertöpfe leer seien“ könne das Land die Schulgelder nicht mehr übernehmen. Die Schülerinnen und Schüler bräuchten aber für die gesamte Schulzeit eine Verlässlichkeit bei der Übernahme der Schulkosten.  

Fachkräftemangel ist offensichtlich

Der Fachkräftemangel in den Gesundheitsfachberufen ist offensichtlich, so anschließend Prof. Dr. Christoph Egner von der DIPLOMA Hochschule in seinem Impulsvortrag. Mittlerweile melden die Praxen, aber auch die Bundesagentur für Arbeit, einen erschreckenden Fachkräftemangel, die Patientenversorgung ist schon jetzt extrem erschwert. Hier ist maßgeblich die Politik gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen umgehend anzupassen, denn ohne erhebliche Gegensteuerung wird es in nächster Zeit zu einer großflächigen Patientenunterversorgung kommen.
 
Die ausrichtenden Verbände begrüßen die Übernahme des größten Teils des Schulgeldes ab September 2018 ausdrücklich und sehen den großen Schritt des Landes in die richtige Richtung. Aber wichtig ist, dass nun weitere Schritte folgen. So plädieren die Verbände für eine weitergehende, vollständige Übernahme der Schulkosten und sogar für eine Ausbildungsvergütung, ähnlich wie bei den Pflegeberufen.  
 
Weitere Verbesserungen sind dringend notwendig

In der anschließenden Round-Table-Discussion wurde klar, welche weiteren Stellschrauben gezogen werden sollten: „Womit sollen Schüler, die immer noch mit Schulden aus der Ausbildung kommen und anschließend auch noch wenig verdienen, die Schulden tilgen“, verdeutlicht Karl-Werner Doepp, Landesgruppenvorsitzender Verband Physikalische Therapie die Situation „neben einer besseren finanziellen Ausstattung der Ausbildung muss auch eine ausreichende Vergütung von Praxisinhabern und deren Angestellte durch die Krankenkassen erfolgen“. Detlef Katzki, stellvertretender Landesvorsitzender von Physio Deutschland, fordert die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe und ein qualitative Verbesserungen in der Ausbildung, hier besteht erheblicher Nachholbedarf. Auch Monika Dobrick, Landesvorsitzende des Verbands Leitender Lehrkräfte, freut sich für ihre Schülerinnen und Schüler über die Entlastung bei der Schulgeldzahlung, allerdings findet sie es kritisch, dass bei der ministeriellen Schulgeld-Abfrage 12/2017 nicht die vollen Ausbildungskosten erfasst wurden und Schulträger für die Übernahme der anteiligen Schulkosten von 70 % in Vorleistung treten müssen. Dies würde viele Schulen finanziell überfordern, das Land müsse hier den Schulen vorab Abschläge zahlen.  
 
Auch stellt sich aktuell die Frage, wie Politik und Krankenkassen im Hinblick auf den Fachkräftemangel damit umgehen, dass es bald drei Kategorien von Schulangeboten geben wird und sich die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen verschieben wird in Richtung der schulgeldfreien und Ausbildungsvergütung zahlenden Schulen an kommunalen Krankenhäusern und Universitätskliniken, so Karl-Werner Doepp, Landesgruppenvorsitzender des VPT-NRW -Verband Physikalische Therapie, Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe e.V..
 
Jürgen Wöber, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Ergotherapieschulen Deutschlands plädiert für eine Fortsetzung der Gespräche in einer gemeinsamen Kommission von Politik, beteiligten Ministerien und betroffenen Verbänden, um gemeinsam sinnvolle weitere Maßnahmen zu erarbeiten. Schließlich gilt es die Anforderungen einer zukünftigen guten Patientenversorgung durch qualitativ hochwertige Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen zu gewährleisten.
 
„Wir sind froh, dass mit der 70 % -Finanzierung des Schulgelders ein erster Schritt getan wurde. Angesichts des jetzt schon offensichtlichen Fachkräftemangels mit weißen Flecken in der Patientenversorgung müssen weitere Stufen folgen, um wieder mehr junge Menschen für die Gesundheitsfachberufe zu begeistern damit die Ausbildungszahlen steigen. Dafür müssen die richtigen Rahmenbedingungen von der Ausbildung über die Berufsbedingungen bis zu den Karrieremöglichkeiten gesetzt werden. Hier werden sich die Verbände weiter gemeinsam positionieren“, fasst Petra Witt, Vorsitzende des Verbandes Deutscher Privatschulen NRW e.V., die Erkenntnisse des ersten gemeinsamen Parlamentarischen Abends der Verbände der Gesundheitsfachberufe in NRW zusammen.  
 

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